Gruselchenkabinettchen

„LÅT DEN RÄTTE KOMMA IN“ bei der Viennale

lettherightoneinpicTomas Alfredsons Vampirfilm wird OmU (englisch) geboten, was einmal mehr mein Faible für Originalfassungen bestärkt, wenngleich die Untertitel manchmal ein etwas seltsames Englisch bedeuten. Aber immerhin hat man einen Eindruck der Stimme zum Gesicht – und darum geht es ja.

Obwohl ganz neu (2008) wird uns 114 Minuten lang suggeriert, wir befänden uns in den auslaufenden 1970er Jahren. Ein ganz normaler schwächlicher Zwölfjähriger (Kare Hedebrand), Opfer von Bullying und Scheidungskind – hier werden für meinen Geschmack ein paar zu viele Klischees bedient – verliebt sich in das gleichaltrige Nachbarsmädchen (hinreißend: Lina Leandersson; wann haben wir zuletzt bei einem Kind so schöne Augen gesehen?). Bedauerlicherweise ist jenes Mädchen ein Vampir, und demzufolge ist die Liebe etwas problematisch. Also: Am Ende siegt der Schwache über die vermeintlich Starken, und die Liebe über den zeitweise unausweichlich scheinenden Tod. Wie immer.

Dennoch: Einerseits werden Klischees bedient und Verdopplungen von Effekten eingesetzt, beispielsweise besonders auffallende Musik- oder Soundeffekte bei entscheidenden Szenen (manchmal ist es fast bedrückend still in diesem Film). Andererseits aber schafft dieses Kammerspiel etwas, was bei fast zwei Stunden rund um Mitternacht schon eine Kunst ist: Man bleibt dabei. Längen sind nicht langweilig, und in gewisser Weise ist man doch gefesselt (ob mit der Faszination des Voyeurs oder durch die Handlung ist mir immer noch nicht klar).

Erinnernd an Aki Kaurismäkis seltsame Geschichten werden hier ein paar sehr schöne Bildeffekte (etwa die Überblendungen des Anfangs oder die gar zu nahen Nahaufnahmen mit verschwommenem Hintergrund) fast zu Tode geritten, wohingegen manchmal geradezu schmerzvoll gespart wird. Meine Empfehlung also: Wenn Sie die Chance bekommen, diesen Film zu sehen, nutzen Sie sie. Lena Leanderssons Darstellung des von den Gefühlen zerrissenen Vampirs ist meiner Meinung nach weit über den durchschnittlich gebotenen Leistungen von Schauspielern im Kindesalter.

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