The Proust Questionnaire, 2018

proust-questionnaire.jpgDear friends, family and all others: At 44, it is time to actually do it … below are my answers to the Proust Questionnaire – formulated without much thinking, with a glorious view of the Auckland Harbour Bridge and a bottle of decent New Zealand red wine.

Here are my thirty-five answers to thirty-five questions that everyone should think about every few years, and be it only for themselves.

__1.__What is your idea of perfect happiness?
To be in a position where I can make independent decisions.

__2.__What is your greatest fear?
To sacrifice freedom for convenience.

__3.__What is the trait you most deplore in yourself?
I still do not dare to say everything I think.

__4.__What is the trait you most deplore in others?
Narcissism („Giovanni, nimm dich nicht so wichtig.“)

__5.__Which living person do you most admire?
As a musician: Sir András Schiff. As a human being: Those who realize that being one of nearly 8 billion similar creatures does not justify entitlement nor special treatment.

__6.__What is your greatest extravagance?
To live without thinking too much about the future.

__7.__What is your current state of mind?
„Where to from here?“

__8.__What do you consider the most overrated virtue?
Wit.

__9.__On what occasion do you lie?
When I need to protect truth.

__10.__What do you most dislike about your appearance?
My ears.

__11.__Which living person do you most despise?
Too many to even start.

__12.__What is the quality you most like in a man?
Empathy.

__13.__What is the quality you most like in a woman?
Irony.

__14.__Which words or phrases do you most overuse?
„As I said, …“

__15.__What or who is the greatest love of your life?
What: Music. Who: My partner Eric, who fearlessly throws his emotions and thoughts at me without considering consequences.

__16.__When and where were you happiest?
When my mother died in my arms – for one very brief second, I understood life.

__17.__Which talent would you most like to have?
To always show my inner self.

__18.__If you could change one thing about yourself, what would it be?
To be able to always show my inner self.

__19.__What do you consider your greatest achievement?
To be 44 years old and still be rather fearless.

__20.__If you were to die and come back as a person or a thing, what would it be?
A Beagle.

__21.__Where would you most like to live?
In this very moment.

__22.__What is your most treasured possession?
My brain.

__23.__What do you regard as the lowest depth of misery?
Not being understood.

__24.__What is your favorite occupation?
Medical doctor.

__25.__What is your most marked characteristic?
Callousness. That is „most marked“.

__26.__What do you most value in your friends?
That they love me for who I am.

__27.__Who are your favorite writers?
Emily Dickinson, Thomas Mann, Hanns-Josef Ortheil, Daniel Silva and many others.

__28.__Who is your hero of fiction?
The Michelangelo that Irving Stone depicts.

__29.__Which historical figure do you most identify with?
Franz Schubert, because nobody else has ever managed to express the pain of beauty in a better way.

__30.__Who are your heroes in real life?
Nurses.

__31.__What are your favorite names?
Felix, Benjamin.

__32.__What is it that you most dislike?
Small talk.

__33.__What is your greatest regret?
Not to have fought for everything and everybody.

__34.__How would you like to die?
Without wishing for it to happen.

__35.__What is your motto?
„I am more interested in the future than in the past, because the future is where I intend to live.“ (Einstein)

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The Proust Questionnaire, 2018

Zsigmondy spielt Bach

pmr0093_bach_webcover1994 starb Anneliese Nissen, Dénes Zsigmondys Frau und Duopartnerin über fünfzig Jahre Konzert- und Unterrichtstätigkeit. Die Aufnahmen von Sonaten von Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms und Schumann sind bis heute – wenngleich bedauerlicherweise Insidertipps – beispielhaft für perfekte Duokunst. Ich lernte Zsigmondy 1995 kennen und hatte das Glück, über die nächsten zehn Jahre mit ihm Kammermusik spielen zu dürfen, in Holzhausen zu unterrichten, und rückblickend sehr viel Zeit mit ihm zu verbringen. Diese Bach-Aufnahme lag ihm unendlich am Herzen; sie war wohl sein musikalischer Abschied von seiner Frau, und sie dokumentiert zugleich die Essenz seines Daseins. Dénes Zsigmondy war in erster Linie Mensch, dann Musiker, und dann erst Geiger. Er war immer mehr interessiert an Kunst, Literatur, Architektur, Philosophie oder Musik an sich als am Geigenspiel im Besonderen. Zu den Menschen, denen er im Leben begegnete, gehörten Thomas Mann und Werner Heisenberg; er bewunderte Alfred Brendel, András Schiff und Cecilia Bartoli, und war leidenschaftlicher Tennisfan. Im Mai 1995, im Alter von 73 Jahren, schloss er sich über Tage hinweg alleine in der Kirche von Holzhausen ein, wo er Hunderte von Konzerten mit seiner Frau gegeben hatte, und spielte Bach aus seinem zerfledderten Exemplar des Faksimiles. Kein Tonmeister war anwesend; er betätigte den Startknopf des DAT-Recorders selber, nachdem Otto Braun die Mikrofone aufgebaut und ihn dann alleine gelassen hatte. Das Resultat waren rund 50 Stunden vollkommen unsortiertes Tonmaterial, denn natürlich folgte er weder einem Aufnahmeplan noch sonstigen Regeln. Es schien aussichtslos, dass aus den zahlreichen DAT-Kassetten mit wahllosen Bach-Sätzen (und manchmal nur Fragmenten) je eine professionelle Aufnahme werden könnte. Ich habe mich 1996 durch das gesamte Material gehört und gemeinsam mit Robert Müller die vorliegende Aufnahme geschnitten; noch heute erinnere ich mich an ein Band, das voll mit „Üben“ schien, aber dann einmal das Adagio der C-Dur-Sonate enthielt, das mir die Tränen in die Augen brachte – es befindet sich ungeschnitten auf in dieser Aufnahme. Keine Minute Zsigmondy, die ich damals gehört habe, empfinde ich als verschwendet. Zsigmondy bezahlte dann 1996 eine Pressung von CDs selbst; die Aufnahme ist nie richtig veröffentlicht worden. Ich bin daher glücklich, zur 95. Wiederkehr seines Geburtstags das Vermächtnis dieses besonderen Musikers in einer neu gemasterten Version einer weiteren Öffentlichkeit präsentieren zu können, und bin sicher, dass nicht nur seine zahllosen Schüler und Freunde daran Freude haben. Es ist nicht nur ein musikalischer Blick in die Vergangenheit, sondern auch in die Seele eines Menschen, den wir nicht vergessen sollten.

Zsigmondy spielt Bach

Joseph Haydn zum 286. Geburtstag

474px-Joseph_Haydn_0Es ist wohl nicht nur dem Epitheton „Papa“ zu verdanken, dass wir uns kaum vorstellen mögen, dass Haydn auch einmal jung gewesen sein muss. Aber eigentlich, wenn man ganz ehrlich zuhört, ist Franz Joseph Haydns Musik bis zu jener aus seinem hohen Alter die des Lausbuben aus dem burgenländischen Dorf Rohrau. Es ist ein flaches, unauffälliges Haus an der Hauptstraße, in dem Joseph Haydn 1732 zur Welt kam und von wo aus er von seinem Schullehrer zu einer besseren und insbesondere auch musikalisch fundierten Ausbildung in die Stadt geschickt wurde.

Die wesentlichen Fakten seines Lebens sind bekannt: verheiratet mit einer Frau, die allgemein als missmutig beschrieben und von ihm wahrscheinlich nicht im romantischen Sinne geliebt wurde (führen wir uns hier doch Mozarts geradezu gurrende Verliebtheit als Kontrast vor Augen), jahrzehntelanger Dienst bei Esterházys und später Ruhm, der ihm von Wien aus auf allen seinen Reisen vorausgeeilt ist.

Und doch, bei allem Fleiß, aller Gewissenhaftigkeit und allem Ehrgeiz, den der Haydn wohl gehabt haben muss (denn sonst wäre er kaum zu dem geworden, was er am Ende seines Lebens war: ein reicher und berühmter Mann), ist ihm zweifellos ein unbändiger und bodenständiger Schalk im Nacken gesessen. Zu viele Anzeichen gibt es dafür: allseits bekannte wie die Komposition der „Abschiedssymphonie“, aber auch weniger bekannte wie den doppelten Verkauf desselben Stücks an zwei Verleger in verschiedenen Ländern, in der Gewissheit, dass diese es nicht merken würden, bis hin zu so unendlich vielen kleinen und großen musikalischen Überraschungen, die die Erwartungshaltung seiner Zuhörer geradezu ad absurdum führen, dass ein detailliertes Aufzählen hier gar nicht möglich ist.

Wohl aber möglich ist, daraus ein sehr persönliches Bild zu zeichnen von einem Menschen, der bei allem schwer begreiflichen und unendlichen Talent doch im Gegensatz zu Mozart, dem ein göttlicher Funke innewohnt, ein durch und durch irdischer Komponist ist. Man mag sich vorstellen, daß er während einer Aufführung in der Ecke sitzt und schmunzelt, wenn der Frau Gräfin beim Paukenschlag vor Schreck der Fächer aus der Hand fällt. Mozarts Scherze sind weniger subtil: Wenn er scherzt, dann in der ihm eigenen göttlichen Maßlosigkeit, so dass man „vor Vergnügen Pomeranschen scheißen möchte“.

Haydn, wegen seiner oft unaufwendigen Kompositionsmittel auch immer wieder unterschätzt (hat jemals jemand Mozart unterschätzt?), braucht mitunter Intellektuelles Verständnis, ohne das man bei Mozart wahrscheinlich weiter kommt. Haydn ist dennoch nicht weniger beglückend und vor allem oftmals kühner als man es dem „Papa“ instinktiv zutrauen möchte.

Joseph Haydn zum 286. Geburtstag

Wolfgang Amadeus Mozart zum 262. Geburtstag

Mozart, Wolfgang Amadeus (BKA)_0Über Mozart, den Komponisten, der wohl den Göttern am nächsten ist, scheint alles gesagt. Und doch gibt es Dinge, über die man auch als Musiker nicht täglich nachdenkt.

1862 machte sich der Jurist, Historiker und Amateurmusiker Ludwig von Köchel, Erzieher der Söhne von Erzherzog Karl, daran, die Werke Wolfgang Amadé Mozarts zu katalogisieren. Und da beginnen schon die Probleme: Wolfgang Amadeus Mozart hieß gar nicht „Amadeus“. Wir haben keine einzige solche Unterschrift von Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart (so der Taufname), lediglich in drei Briefen verwendet er – und das auch nur eher scherzhaft – die später wahrscheinlich durch den amtlich latinisierten Eintrag im Sterberegister üblich gewordene Form seines von ihm stets gewählten „Amadé“ übersetzten dritten Vornamens Theophilus. Noch die ersten Werke erschienen als „J. G. Wolfgang Mozart“, das G für „Gottlieb“.

„Wurscht“, mögen Sie jetzt zu Recht denken – ist es aber doch nicht ganz, denn es zeigt, daß man mit wieviel Forschung auch immer an die wahren Details im Leben des W. A. Mozart wohl nicht herankommen wird. Und so verhält es sich auch mit dem von fünf weiteren Musikwissenschaftlern unaufhörlich ergänzten, erweiterten und umgearbeiteten Köchel-Verzeichnis, dessen inzwischen achte Auflage aus dem Jahr 1983 nicht nur für Musiker ein inzwischen unüberschaubares Chaos darstellt. In noch chaotischerem Zustand ist wohl das in meinen Augen unselige Werkverzeichnis von Joseph Haydn, das Anthony van Hoboken in den Jahren 1957 bis 1978 angefertigt hat.

Während Sie diese Zeilen lesen, wäre das erste Werk des Köchelverzeichnis, das Menuett in G-Dur KV1 (erste Auflage) bzw. KV1e (sechste Auflage) wahrscheinlich schon vorbei. Nicht einmal die Entstehungszeit dieses kleinen Stücks ist wirklich sicher: War Mozart nun fünf oder acht Jahre alt, als er es schrieb? Das nun – Sie mögen es mir verzeihen – finde ich „wurscht“, denn mir als Musiker wird das Wunder Mozart immer unbegreiflicher, je mehr Musik ich von ihm kenne.

Springen wir ins Jahr 1785. Mozart war auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft und – das sei hier nebenbei erwähnt – alles andere als ein verarmtes Genie. In heutiger Währung waren es in den Wiener Jahren Millionen, die er umsetzte. Der konzertierende und komponierende Superstar, der für die Kerzen in der für seinen Billardtisch eigens konstruierten indirekten Beleuchtung jährlich bedenkenlos mehr Geld ausgab als die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung verdiente, lebte überschwenglich: prachtvolle Wohnungen, Instrumententransporte, Bedienstete, Kleider, Perücken, die Kuraufenthalte für seine Frau, Festessen und vieles mehr. Andererseits: Er war 29 (!) Jahre jung, endlich erfolgreich und gesund – wofür hätte er sparen sollen? Er konnte ja nicht wissen, dass er mit 35 tödlich erkranken würde. Dass bei einem solchen Lebenswandel dann auch einmal eine Produktion, in die er viel Geld investiert hatte, ein Flop sein konnte, ist nur natürlich, und Versicherungen jeglicher Art kannte man nicht. Also gab es zeitweise Engpässe – heute würde man sagen: unregelmäßigen cashflow. Aber richtige Armut? Nie – das gehört ins Reich der Legenden. Mozarts Gagen in Wien waren astronomisch. Man würde ja auch heute von Michael Jackson nicht sagen, er hätte „verarmt“ gelebt …

Nächste Station: 1788. Es sind die drei letzten Symphonien, Klaviertrios und -sonaten sowie verschiedene kleinere Werke, die es (jenes nach dem „Don Giovanni“) beherrschen. Mozart – man vergesse das nicht! – war immer noch erst 32 Jahre alt. Die Symphonie in C-Dur KV 551 („Jupiter“) ist die letzte, wenngleich mit dem „Titus“, der „Zauberflöte“, dem Requiem und dem Klarinettenkonzert noch massenhaft Orchesterwerke folgen sollten. Die drei letzten Symphonien entstanden wohl innerhalb von zwei Monaten, sind doch die Niederschriften mit 26. Juni, 25. Juli und 10. August datiert. Wenn das für nachkommende Musiker keine Aufforderung zur Demut ist … Die Tonarten g-moll, Es-Dur und C-Dur könnten auf die drei Symphonien 82 bis 84 von Haydn zurückgehen, die im Dezember 1787 als sein op. 51 im Druck erschienen ist. Eine weitere Verbeugung vor dem großen Gönner? Es scheint demzufolge beinahe schicksalhaft, dass ausgerechnet in London, wo Haydn manche seiner größten Erfolge feierte, von dem Impresario Johann Peter Salomon 1829 der Name „Jupiter-Symphonie“ geprägt wurde. Amadeus und Jupiter – wer da den kürzeren zieht, bleibt wohl offen.

Schauen Sie das Phantombild des BKA an, das einen Besessenen zeigt. Schumanns Zitat:„Klimpere nie!“ ist geradezu harmlos im Vergleich zu Mozarts Schaffensdrang. Was bleibt? Vielleicht eine weitere Antwort auf die Frage, woran Mozart gestorben ist: Zu viel Leben.

Wolfgang Amadeus Mozart zum 262. Geburtstag

Ludwig van Beethoven zum 247. Geburtstag

ludwig-van-beethoven-death-mask-of-the-german-composer_2_0Eigentlich ist es ja seltsam, dass ausgerechnet ein Rheinländer mit niederländischen Wurzeln als einer der drei Hauptvertreter der „Wiener Klassik“ gilt. Die anderen beiden sind übrigens ein Salzburger (Mozart) und ein Burgenländer (Haydn). Ludwig van Beethoven, geboren 1770 im damals noch beschaulichen Bonn am Rhein als Sohn eines dem Alkohol verfallenen Orchestermusikers, kam also dank diverser Gönner nach Wien, um von dem Burgenländer die Wiener Klassik zu lernen, und blieb – wie so viele vor und nach ihm.

Auch bei Beethoven sind die Eckpfeiler seines Lebens wohl bekannt oder leicht nachzulesen. Beethoven, von den drei Wiener Klassikern derjenige, der die Schwelle zur Romantik am ehesten berührt, wenn nicht sogar ganz zaghaft gelegentlich schon überschreitet, quasi mit der kompositorischen kleinen Zehe. Mozart, der Göttliche, Haydn, der Irdische, und Beethoven, der … ja was? „Titan“ ist einer der Begriffe, die man immer wieder in Zusammenhang mit ihm findet. Warum ausgerechnet „Titan“?

Beethoven ringt ein Leben lang. Mit sich, seinem Inneren und Äußeren. Glaubt man den zeitgenössischen Beschreibungen, so war er kein äußerlich schöner Mensch: als klein und pockennarbig, mit wildem Haar und oft grimmigem Gesichtsausdruck wird er dargestellt. Das Innere ist wohl schwerer zu beschreiben, ist es doch so untrennbar mit manchen Äußerlichkeiten, so etwa der immer wieder verschmähten Liebe und dem Verlust der akustischen Wahrnehmungsfähigkeit der Umwelt verbunden. Nicht nur daraus resultiert wohl ein geradezu panisches Ringen mit den musikalischen Gedanken, die sich in seinem Kopf und seiner zerklüfteten Seele formen. Meist sind es Tonleiter- oder Dreiklangsmotive, die er – anders als die endlos fließenden Mozart-Melodien oder die fast sprachlich artikulierten Haydn-Motive – zu markanten Themen zusammenschmiedet.

Abweisend und schroff sind viele seiner Themen, ja ganze Werke brauchen die Bereitschaft von Musikern und Zuhörern, sich auf diesen Menschen einzulassen. Und doch gibt es die Momente der beinahe unbeschwerten Schönheit, sogar Anflüge von Humor, wenngleich selten „Spaß“. Harmlos war er sicher nicht, der Komponist von „Hammerklavier“-Sonate, Fidelio und den späten Streichquartetten. Wäre er ein bildender Künstler gewesen, hätte er wohl mit Granit und heutzutage auch mit Stahl gearbeitet. Und doch tun sich Sehnsüchte auf (man denke an den langsamen Satz der „Pathétique“-Sonate), friedlich-pastorale Werke (so etwa der erste Satz des G-Dur-Klavierkonzerts, der erste Satz des „Erzherzog“-Trios oder die A-Dur-Cellosonate) und auch heiter-unbeschwerte Sätze (etwa der letzte Satz des dritten Klaviertrios, der letzte Satz des Tripelkonzerts oder weite Teile der siebten und achten Symphonie) kommen vor.

Beethovens Musik springt einen nicht an, weder den Zuhörer noch den Spieler. Sie braucht, um ihre volle Faszination zu entfalten, den Willen, dem Menschen Beethoven entgegenzukommen. Lässt man sich aber einmal auf diese Reise wirklich ein, kommt man von ihr nicht mehr los. Und irgendwann, irgendwann erklärt sich auch das Unerklärliche, zum Beispiel wie in den letzten Streichquartetten die Cavatine neben der Großen Fuge stehen kann. Beethoven näherkommen zu wollen ist eine Reise zum Mittelpunkt der Erde.

Ludwig van Beethoven zum 247. Geburtstag

The Zani Story

It all started in early 2012. I was teaching at the University of Auckland, and a colleague was the external assessor of a PhD thesis from the University of Canterbury: Jill Ward had written a biography and transcribed all extant works of Andrea Zani (1696–1757) into modern music typesetting. One of the 13 volumes continued the twelve cello concertos, the manuscript of which is housed in the collection of the Schönborn family in Wiesentheid (Germany).

To cut a long story short: I applied for funding from the university’s highly competitive research fund to make the world premiere recording of these works with the Kölner Akademie and Michael Alexander Willens, to be published by Capriccio. I was awarded nearly NZ$50,000 to pay for the orchestra, the conductor, the recording and editing, and my travel. Subsequently I flew down to Christchurch and met with Jill Ward’s supervisor, Dr Brian Pritchard, to go through the scores for mistakes. Already there I should have been warned: When I took some pictures from that meeting, he said that I was not to use them publicly (not even on Facebook!), and that I had to get permission to record the works from the Schönborn archive.

I repeatedly contacted the then librarian via email, letter and even tried to phone her, and for nearly half a year I did not get a reply. When we were already in the editing phase of the concertos, I received an email from a certain Mr Stingel, a lawyer who said he was in charge of handling the archive now. After referring him to the owner of Capriccio, I put some money of the university grant aside to pay for copyrights. In a phone conversation, I tried to convince him to register the concertos with GEMA as “nachgelassenes Werk” (which would ensure royalties for 25 years) and also offered to make contact with publishers who might be interested in printing the works for wider distribution. It became soon clear that all he was interested in was money – the music never mattered. I believe the deal that was made with Capriccio was well over
EUR 1,500 for the first print of the recording, but it might even have been more. Mr Stingel made it clear that any live performance was forbidden unless it was subject to further payment. I will leave it to you to judge the ethos of taking money of that sort from a university funding a recording (as a comparison, the regular GEMA tariff would likely have been somewhere in the region of 800 to 1,000 Euros).

C5145_Zani_frontcoverHowever, the case was solved, and the Concerto CD is what it is. It won a “Pizzicato Supersonic”, was an ICMA nominee, is shortlisted on the Fanfare Wish List and got rave reviews all over the world in magazines and newspapers from the American Record Guide to Gramophone, and in multiple languages. I understand from the owner of Capriccio that now, three years later, Mr Stingel is demanding more money for this recording because of its apparent success. I do not know the sales figures, but I would be surprised if they were significant enough to justify an even bigger payment – and all that for a composer who died over 250 years ago, and for who the Schönborn estate never did anything. Had Dr Ward’s dissertation and my funding application not happened, these concertos would still collect dust in the archive.

Since its release in 2013, I had about 30 requests from cellists all over the world for the music, all of which I turned down with an explanation along the above lines.

Yet this is not the end of the story.

In September 2013 and doing a random Google search, I discovered that the German Wikipedia article on Andrea Zani now gave a link to download Dr Ward’s complete thesis at the University of Canterbury, sheet music included. Assumingly like many others, I downloaded that file. Johannes Kernmayer, the owner of Capriccio, urged me to record more Zani, and with the music now available, we scheduled the divertimenti with C5264_zani_frontcoverviolinist Lena Neudauer and myself for late 2014. Remembering the saga with the cello concertos, I insisted on a specific clause in the contract that Capriccio would take care of the appropriate copyright clearance. The recording was released in mid-2015, and it got a handful of favorable reviews since.

On 20 March 2016, I received an abusive email from Dr Ward, accusing me of all sorts of things for having recorded the Divertimenti, backed up by Mr Stingel, who claimed a copyright breach, implicating that this might be subject to criminal prosecution. I referred both to Capriccio, and wrote a polite letter to Paul von Schönborn in an attempt to settle the matter and to get some sensible direction into the discussion – this is not a multi million-dollar pop music hit after all (the divertimenti have sold some 450 copies so far, from what I understand from Capriccio). As of 2018, this letter has remained unanswered.

A week later in March 2016, I received an even more abusive email from Dr Ward, making it clear that I was a purely selfish idiot amongst other things. Since I have to this day never met Dr Ward (Michael Willens, the conductor of the cello concertos, even raised the question if she exists at all) and knowing from Dr Pritchard that she has allegedly gone back to nursing and is not pursuing a career as a musicologist, I have my doubts if it is really her who wrote these messages. Especially since on 1 April 2016 and clearly in the New Zealand time zone, somebody who calls themselves “Mii 97531” (and has never done anything else on Wikipedia) filed a request to get my entry in the English Wikipedia deleted. Their justification is too good to not share with you: “Firstly, it is questioned whether Martin is notable enough for his own wikipedia page. There are many, many (millions of) artists and musicians who have performed just as widely and released as many recordings who do not have a page. Secondly, there are not enough sources for most of the biographical information. In fact, I would go so far to say that most of the article is written by Martin Rummel himself. The information is incredibly detailed and a lot of it, such as Martin’s appointment as Head of School, just a few weeks ago, is very recent, which you would not expect on a biography of a person of his relatively limited notability. Most of the sources are for the discography at the end, but many of these are not cited. Lastly, the style is very questionable. Compare the article with Martin’s biography on the University of Auckland website, which is written in a very similar, boastful style and tone. Again, it seems clear that the article was written by Martin. The specificity of information for a relatively un-famous musician, the lack of sources to support this detailed information, and the narrative-style of writing point to the article being written by Martin himself. It begins like this and continues throughout: ‘The son of Peter Rummel, professor of law, grew up in Linz, where he went to primary school…’ In summary, I believe this article fails on the grounds of: notability; lack of sources; and style.” I have every reason to believe that “Mii 97531” is either Dr Pritchard (likely) or Dr Ward (unlikely).

As a sideline: No, I have not written my own Wikipedia page. I am aware that some people I know have updated biographical details and especially the discography and the list of publications (which is not hard, since all these details can be found and verified via simple Google searches), and it is more than logic that all officially circulated biographies have “similarities in style”, since it is most likely that they all are copies of each other, at some point written by a manager and then constantly updated, modified for the purpose etc. A simple Google search of my name will result in dozens of narrative PR texts and biographies. My university biography was indeed my doing, using and modifying one of the official texts written by a PR professional – that is what they are there for. Another sideline: I have naturally not made a single Euro on the Zani recordings; on the contrary: I have put money into them by contributing to travel etc., not to talk of the work.

The University of Canterbury has taken Dr Ward’s dissertation off the internet, and Johannes Kernmayer has offered Mr Stingel to take the Zani recordings off the market if the situation becomes too complicated. And this is where it stands as of today – I will update this if there is any further development.

If you want to get in touch with any of the people involved, you can find their addresses by clicking on their names: Dr Brian PritchardPeter StingelPaul Graf von Schönborn,  Johannes Kernmayer.

The Zani Story

Gruselchenkabinettchen

„LÅT DEN RÄTTE KOMMA IN“ bei der Viennale

lettherightoneinpicTomas Alfredsons Vampirfilm wird OmU (englisch) geboten, was einmal mehr mein Faible für Originalfassungen bestärkt, wenngleich die Untertitel manchmal ein etwas seltsames Englisch bedeuten. Aber immerhin hat man einen Eindruck der Stimme zum Gesicht – und darum geht es ja.

Obwohl ganz neu (2008) wird uns 114 Minuten lang suggeriert, wir befänden uns in den auslaufenden 1970er Jahren. Ein ganz normaler schwächlicher Zwölfjähriger (Kare Hedebrand), Opfer von Bullying und Scheidungskind – hier werden für meinen Geschmack ein paar zu viele Klischees bedient – verliebt sich in das gleichaltrige Nachbarsmädchen (hinreißend: Lina Leandersson; wann haben wir zuletzt bei einem Kind so schöne Augen gesehen?). Bedauerlicherweise ist jenes Mädchen ein Vampir, und demzufolge ist die Liebe etwas problematisch. Also: Am Ende siegt der Schwache über die vermeintlich Starken, und die Liebe über den zeitweise unausweichlich scheinenden Tod. Wie immer.

Dennoch: Einerseits werden Klischees bedient und Verdopplungen von Effekten eingesetzt, beispielsweise besonders auffallende Musik- oder Soundeffekte bei entscheidenden Szenen (manchmal ist es fast bedrückend still in diesem Film). Andererseits aber schafft dieses Kammerspiel etwas, was bei fast zwei Stunden rund um Mitternacht schon eine Kunst ist: Man bleibt dabei. Längen sind nicht langweilig, und in gewisser Weise ist man doch gefesselt (ob mit der Faszination des Voyeurs oder durch die Handlung ist mir immer noch nicht klar).

Erinnernd an Aki Kaurismäkis seltsame Geschichten werden hier ein paar sehr schöne Bildeffekte (etwa die Überblendungen des Anfangs oder die gar zu nahen Nahaufnahmen mit verschwommenem Hintergrund) fast zu Tode geritten, wohingegen manchmal geradezu schmerzvoll gespart wird. Meine Empfehlung also: Wenn Sie die Chance bekommen, diesen Film zu sehen, nutzen Sie sie. Lena Leanderssons Darstellung des von den Gefühlen zerrissenen Vampirs ist meiner Meinung nach weit über den durchschnittlich gebotenen Leistungen von Schauspielern im Kindesalter.

Gruselchenkabinettchen